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Öffentliche Fördermittel zur Unternehmensfinanzierung nutzen

Das Thema öffentliche Fördermittel spielt heutzutage in vielen Lebensbereichen eine große Rolle und wird teilweise kontrovers diskutiert. Die Förderung des privaten Eigenheims durch ein günstiges KfW-Darlehen dürfte den meisten Bauherren sehr willkommen sein. Subventionen für Unternehmen und die Landwirtschaft werden in der Regel eher kritisch gesehen.

Aus unternehmerischer Sicht sollten Fördermittel daher sachlich nüchtern betrachtet und ausschließlich auf Basis Ihres Nutzens im Rahmen der Unternehmensfinanzierung beurteilt werden. Um die Vielzahl der unterschiedlichen Fördermöglichkeiten entsprechend einschätzen und nutzen zu können, ist es unverzichtbar einige grundsätzliche Kenntnisse zu haben.

Öffentliche Fördermittel

Welche Arten von öffentlichen Fördermitteln gibt es eigentlich?

Die Förderung eines bestehenden Unternehmens oder einer Unternehmensgründung kann auf sehr unterschiedliche Art und Weise erfolgen. So können Fördermittel beispielsweise in Form von Zuschüssen, Darlehen, Bürgschaften, Beteiligungen oder Garantien gewährt werden. Zuschüsse sind sehr begehrt aber rar gesät, da die Förderstellen die ausgezahlten Mittel nicht mehr direkt zurückerhalten, der Begriff “verlorene Zuschüsse” verdeutlicht dies. Das größte Angebot gibt es daher im Bereich der zinsverbilligten Förderdarlehen, die den weitaus größten Teil der Fördermittel ausmachen. Aber auch Bürgschaften und Garantien sind von großer Bedeutung, da sie die wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen und ihre Geschäftspartner kalkulierbarer machen und teilweise den Zugang zu Darlehen erleichtern. Insbesondere in der Start-up-Szene finden Beteiligungsprogramme eine gewisse Beachtung, werden jedoch aus unterschiedlichen Gründen auch kritisch beurteilt.

Wer sich einen Überblick über die Förderprogramme und Finanzhilfen des Bundes, der Länder und der EU verschaffen will, kann sich diesen über die Förderdatenbank des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) verschaffen.

Eine kleine Auswahl bekannter Beispiele soll an dieser Stelle das Thema Fördermittel etwas anschaulicher machen:

  • Zuschüsse: Beihilfen für indirekte CO2-Kosten, Gründungszuschuss, Gründercoaching Deutschland, …
  • Förderdarlehen: ERP-Gründerkredit – StartGeld, ERP-Gründerkredit – Universell, KfW-Unternehmerkredit, …
  • Bürgschaften: Bürgschaften des Bundes und der Länder, Bürgschaften für Leasingfinanzierungen, …
  • Beteiligungen: ERP-Beteiligungsprogramm, High-Tech Gründerfonds, INVEST – Zuschuss für Wagniskapital, …
  • Garantien:  Bundesgarantien für Direktinvestitionen im Ausland, Exportkreditgarantien (Hermesdeckungen), …

Wer hilft bei der Beantragung von Fördermitteln?

Eine umfassende Beratung ist für die optimale Nutzung von Förderprogrammen wichtig, da sich die Fördermittellandschaft für unerfahrene Unternehmer und Existenzgründer sehr unübersichtlich darstellt. Die bereits erwähnte Förderdatenbank des BMWi bietet sowohl neuen als auch erfahrenen Unternehmern, den einfachsten und direktesten Einstieg in das Thema. Gut vorbereitet erhält man anschließend z.B. bei den Industrie- und Handelskammern oder den Handwerkskammern weiterführende Informationen. Für eine intensive Beratung wendet man sich im Idealfall an eine Unternehmensberatung, einen freien Berater oder die Hausbank. Kosten und Nutzen der Beratung sollten hierbei in einem sinnvollen Verhältnis stehen. Grundsätzliche Fragen lassen sich zumeist im Rahmen eines kostenlosen Erstgesprächs abklären. Für eine individuelle Beratung zu wirtschaftlichen, finanziellen und organisatorischen Fragen gibt es für Unternehmer und Existenzgründer zudem ebenfalls die Möglichkeit sich fördern zu lassen. Wer sich für ein bestimmtes Förderprogramm entschieden hat, erhält bei der zuständigen Förderstelle ausführliche Informationen und Unterstützung bei der Antragstellung.

Wer kann Fördermittel beantragen?

Die Förderung durch öffentliche Mittel ist grundsätzlich an persönliche bzw. organisatorische Voraussetzungen und beihilferechtliche EU-Vorschriften gebunden. Zur Abgrenzung dienen unterschiedliche Kriterien wie die Unternehmensgröße oder der Zeitpunkt der Unternehmensgründung sowie der Unternehmensstandort. So ist es wichtig, ob ein Unternehmen bereits gegründet wurde oder nicht oder ob es schon sehr lange besteht. Auch das Bundesland ist ausschlaggebend, da es teilweise spezielle regionale Programme gibt. Einem Unternehmen in Köln steht also eine andere Auswahl an Förderprogrammen zur Verfügung, als einem Unternehmen in Hannover, Berlin, Hamburg oder München.

Während die einzelnen EU-Staaten in der Regel an einer Förderung ihrer Unternehmen interessiert sind und die Förderprogramme der Länder auf spezifische Förderbedarfe Rücksicht nehmen, steht diesem Interesse häufig die Prämisse eines unverzerrten Wettbewerbs innerhalb der EU entgegen. Dies kommt im Einzelfall allerdings erst ab einer gewissen Förderhöhe zum Tragen, die oberhalb der allgemeinen De-minimis-Grenze von 200.000 Euro liegt, wobei für einzelne Wirtschaftszweige höhere bzw. niedrigere Grenzen gelten.

Für die Einstufung als kleines und mittleres Unternehmen (KMU) ist jedoch auch die Abgrenzung der EU interessant, an der sich beispielsweise die KfW bei der Defintion ihres KMU-Fensters orientiert.

  • Mittlere Unternehmen: Mitarbeiterzahl: weniger als 250, Umsatz: bis 50 Mio. Euro p.a. oder Bilanzsumme: bis 43 Mio. Euro
  • Kleine Unternehmen: Mitarbeiterzahl: weniger als 50, Umsatz: bis 10 Mio. Euro p.a. oder Bilanzsumme bis 10 Mio. Euro
  • Kleinstunternehmen: Mitarbeiterzahl: weniger als 10, Umsatz p.a. oder Bilanzsumme: bis 2 Mio. Euro

Innerhalb des KMU-Fensters sind besonders günstige Kreditkonditionen verfügbar. Unternehmen, für die diese Definitionen nicht zutreffend sind, zählen nicht mehr als KMU, zudem sind die speziellen Vorgaben zu verbundenen Unternehmen zu beachten.

Wer sind die Ansprechpartner der einzelnen Förderprogramme?

Für jedes Förderprogramm gibt es einen zuständigen Ansprechpartner, bei dem man oft auch direkt den entsprechenden Förderantrag stellen kann. Bei Förderdarlehen ist die Antragstellung auf Basis des sogenannten Hausbankprinzips grundsätzlich anders geregelt. Kreditanträge für Förderdarlehen werden ausschließlich durch die Hausbank entgegen genommen und an die zuständige Förderbank entsprechend weitergeleitet. Informationen und Beratung können Gründer und Unternehmer jedoch auch direkt bei der Förderbank einholen. Auf Bundesebene sind die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Landwirtschaftliche Rentenbank als zuständige Institutionen zu nennen. Diese werden in den einzelnen Bundesländern durch Landesförderinstitute ergänzt, die zur Ergänzung spezielle Förderprogramme auflegen (Überblick zu den einzelnen Landesförderinstituten). Zusätzlich gibt es in jedem Bundesland Bürgschaftsbanken und mittelständische Beteiligungsgesellschaften (MBGen), die auf die Verbesserung der Finanzierungssituation von kleinen und mittleren Unternehmen sowie Existenzgründern abzielen. Bei KMU und Existenzgründern wird in der Regel eine schlechtere Bonität also ein höheres Kreditausfallrisiko angenommen. Durch Ausfallbürgschaften und Beteiligungen können die Bonitätseinschätzungen, die auf einem individuellen Rating oder Scoring beruhen, verbessert werden. Trotz der Kosten durch die Bürgschaftsgebühr können die Finanzierungskosten aufgrund besserer Kreditkonditionen somit gebessert werden.

Wie steht die Hausbank zu Förderdarlehen?

Öffentliche Fördermittel werden von Banken als wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Finanzierungskonzeptes betrachtet, zu dem auch auch weitere Finanzierungsbausteine zählen. Die eigene Hausbank ist stets der erste Ansprechpartner für eine Finanzierung mit Hilfe von Förderdarlehen, da die Vergabe von Förderdarlehen nach dem sogenannten Hausbankprinzip erfolgt. Bei Finanzierungsschwierigkeiten oder zum Vergleich der Kreditkonditionen kann jedoch evtl. auch der Gang zu einem anderen Kreditinstitut sinnvoll sein, die Antragstellung beim Förderinstitut selbst bleibt aber ausgeschlossen. Insbesondere überregional agierende Kreditinstitute können im Einzelfall eine gute Alternative darstellen. Das Unternehmen, die Hausbank oder ein alternatives Kreditinstitut und die Förderinstitute tragen gleichermaßen zu einem reibungslosen Ablauf bei der Beantragung von Fördermitteln bei. Transparenz ist hierbei das oberste Gebot, denn nur wenn man als Unternehmen alle kreditentscheidenden Tatsachen ehrlich kommuniziert, erwirbt man sich das für eine Kreditentscheidung unverzichtbare Vertrauen der Bank.

Welche Unterlagen benötigt man bei der Antragstellung?

Die Aufgabe des Unternehmers besteht hauptsächlich in der Bereitstellung vollständiger, plausibler und belastbarer Informationen, die zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen geeignet sind. Die hierzu erforderlichen Unterlagen sind je nach Förderprogramm sehr unterschiedlich und fester Bestandteil der jeweiligen Förderrichtlinien. Für die Beantragung von Förderdarlehen ist zudem ein bankenfähiger Businessplan in den allermeisten Fällen unverzichtbar. Mit dem Businessplan schreiben sollte daher rechtzeitig vor der Antragstellung begonnen werden. Wer bei der Erstellung des Businessplans in Eigenregie überfordert ist, erhält bei Unternehmens- und Gründungsberatern entsprechende Unterstützung. Bei der Auswahl eines geeigneten Beraters ist es wichtig darauf zu achten, dass dieser über ausreichende Erfahrung in der betriebswirtschaftlichen Beratung verfügt und entsprechende Routine in der Erstellung von Businessplänen für Finanzierungsanfragen hat. Die Qualität des Geschäftskonzepts kann nicht nur erheblichen Einfluss auf die Kreditzusage an sich sondern auch auf die Kreditkosten haben. Denn Förderkredite der KfW und der Landesförderinstitute werden häufig über das sogenannte „risikogerechte Zinssystems“ (RGZS) vergeben, in dem in Abhängigkeit von wirtschaftlichen Verhältnissen (Bonität) und den gestellten Sicherheiten ein individueller Zinssatz ermittelt wird. Durch die Ratings zur Bonitätseinschätzung, die aufgrund Basel II bzw. Basel III erforderlich sind, spielen neben quantitativen auch qualitative Kriterien, wie z.B. die Unternehmensstrategie und -organisation eine immer größere Rolle. Zu den qualitativen Kriterien kann sich die Bank häufig nur auf Basis eines individuellen sowie gut strukturierten und formulierten Businessplans ein Bild machen.